2 – Monstein Nr. 1 und das Spendbuch

Die Fraktionsgemeinde Davos Monstein besitzt ein kleines Dorfarchiv. Darin befinden sich auch ein paar alte Urkunden. Am vergangenen Montag abend nahm ich mir die Nr. 1 vor (nach dem Motto «old is beautiful»). Es handelt sich um ein gut erhaltenes Stück Pergament, in einer sehr schönen Schrift beschrieben und mit unten angehängtem Siegel versehen.

Ganz so einfach war die Sache nicht, und es wurde ein sehr langer Abend. Schliesslich war aber alles entziffert und sonnenklar: Ein Peter Engis verkauft einem Hans Lux, Sohn des Töntz, einen Zins von jährlich drei Pfund Haller, erhält dafür sechzig Pfund Kapital (die Verzinsung beträgt also 5%) und garantiert mit Gütern in der Spina (Davos Glaris), die unter anderem an Güter seines Bruders Simon und solche einer Familie Bätschi stossen. Ein Gut heisst das Moos und ist ein Bergmad. Besiegelt hat dies alles der Davoser Landammann Marti Nigg am Tag vor St. Sebastian 1467. Schön alt, diese Urkunde, für Davoser Verhältnisse! Und irgendwie kam mir einiges so bekannt vor. Aber ich war zu müde für weitere Recherchen.

Am anderen Morgen fand ich die Lösung sofort: Die Urkunde ist sozusagen der Zwilling eines Eintrags im Davoser Spendbuch. Dieser wurde zwar erst etwa 1612, also 50 Jahre nach dem Hauptteil des Buches von 1562, nachgetragen, blickt aber weit zurück in die dunkle Geschichte von Davos vor der desaströsen Feuersbrunst von 1559. Seine Jahrzahl 1466 ist die älteste im ganzen Spendbuch. Der Paragraph lautet so:

§N66 Simon Engisch zinset iehrlichen auf St. Martinstag ein pfundpfen̅ing ab seinem eignen gůtt, deß ersten ab einer gadenstatt an der Alpen, stost auf an die Allmein, ab an seiner schwöster Dorothe gůtt, einhalb an Bätschis gůtt, anderhalb an seines brůder Peters und seiner schwöster Anna gůtt: Item ab einem Bärgmad gelägen im Leidenbach, stost auf an die Allmein, ab an Hänsli Ardüsers kinden gůtt, einhalb an Bätschis gůtt, anderhalb an seins brůders Peters gůtt: Item ab einem Bärgmad gelägen am moß, stost auf an die Allmein, ab an Hensli Ardüsers kinden gůtt, zů zweÿen seÿten an seins brůders Peters gůtt. Gesiglet durch Landtam̅an Martÿ Niggen an St. Thom̅anstag im 1466 iar.

Wenn man sich vor Augen hält, dass auf Davos wohl etwa 99% aller derartigen Zinsbriefe verloren sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Briefe zweier Brüder von 1466/67 erhalten geblieben sind, einer ganz, der andere als Exzerpt, praktisch null. Zwischen den beiden Briefen liegt nur ein Monat: St. Thomastag ist der 21. Dezember, St. Sebastianstag der 20. Januar. Was könnte in der Familie vorgefallen sein, dass diese Neuregelungen nötig wurden?

Die Kombination der beiden Dokumente trägt einiges zum besseren Verständnis des Spendbuchs bei, das werde ich in einem der nächsten Ausgaben des Monsteiner Hermes genauer ausführen. Und die Monsteiner Urkunde kommt natürlich auch bald in ihrer Gänze in die Dokumentation.

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