Guten Tag, und willkommen uf Tafaas!
Diese Seiten sind der Geschichte der Landschaft Davos und ganz besonders der Dokumentation und Auswertung bisher unerschlossener historischer Quellen gewidmet. Diese ergeben ein teilweise ganz anderes, unerwartetes Bild von der Vergangenheit unseres Alpenhochtales. Oft kommt man darob auch ins Grübeln über unsere heutige Zeit, mir geht es jedenfalls so.
Ich sehe mich in diesem Projekt vor allem als Vermittler, der vielen längst verstorbenen Davosern und Davoserinnen und ihren Biographien zu neuer Sichtbarkeit verhilft. Jahrhundertelang haben sie geschlummert, die meisten im Gemeindearchiv tief unter dem Rathaus am Platz.
Daneben bin ich natürlich – wie schon früher in meinem «aktiven» Berufsleben – immer auch der neugierige Forscher, der Altbekanntes mit Neugewonnenem kombiniert und daraus Schlüsse zieht, und der Lehrer, der andere an seinen Erkenntnissen, an seiner Freude am Forschen und seiner Begeisterung über die spannenden Inhalte teilhaben lassen will – und zwar so, dass sie drauskommen. Schreib mir also bitte, wenn ich etwas nicht genügend gut erklärt habe! Ich werde es sofort verbessern.
Hier auf Davos ist man per du. Das liegt an der gesunden Luft. So rief in Monstein schon vor gut hundert Jahren der alte Bauer Caspar Polt, als Pfarrer Juon auf der Kanzel etwas langfädig wurde: «Jetz chascht den ätta hööre, Luzi!»
Im Ancien Régime, vor allem im 17. Jahrhundert, ging es hingegen formeller zu, sogar auf Davos. Johannes Müller, seines Zeichens Pfarrer und Antistes zu St. Johann am Platz (sein Vater war ein angesehener Schneidermeister), schrieb unter dem 5. Februar 1637 (einem Sonntag) folgendes ins Sterbebuch – und verkündete es zweifellos genauso im Gottesdienst (1637-02-05 Nr. 6):

Ante aliquot dies [«vor ein paar Tagen»] in Chur ist im Herre̅ entschlaffen
Derr Hochgeacht, Edel und Gestreng Herr Oberster Johan̅eß Guler von Weineckh, Ritter, Weiland Gewesener LandtAme̅ diserr Landtschafft Dauoß, wie auch Lands Hoptma̅ Veltlinß.
Heute schreiben wir einfach Johannes Guler. Manchmal sogar besser Hans. So wurde der nachmalige grosse Gelehrte nämlich von Pfr. Egli getauft (1562-11-01b):

1562-11-01 Item uff den 1. tag Nouembris ist getoufft Hans Guler Herr LandAmma̅ H. Gulers unnd Annæ Buolin eelicher son. Deße Zügenn sind Lienhard Kind, Andres Sprecher, Thobias Egle Pfarrer: Elsbet Göldlin, Amma̅ Herdlins Frouw.1
Auch Pfr. Luci Nier trug Guler als jungen Landschreiber (1582-06-10, 1582-07-05a/b, 1582-08-05a) und gelegentlich sogar noch später (1584-12-30, 1585-01-01b, 1592-12-30, 1596-05-14) mit dem Namen Hans als Taufzeugen ein. Ebenso figuriert er in den Protokollen der Wahlen, «Besatzung» genannt (1582, 1583, 1584, 1586, 1591, 1592). Und auf Davos, unter Freunden und in der Familie blieb er bestimmt seiner Lebtage der Hans. Das zeigt auch die viel später nachgetragene Notiz im Taufbuch (s. die obige Abbildung):
1637-01-24 Dißer Oberst Hanß Guller starb Ao 1637 den 24 Jener seines Alters 75 Jar 3 Monat 24 Tag.
Schreiber der Notiz ist vermutlich Enderli Sprecher (1592–1667), erstmals Landammann 1643. Seine Berechnung des Alters des Verstorbenen scheint mir nicht über alle Zweifel erhaben zu sein: 1562 bis 1637 = 75 Jahre, Anfang November bis Ende Januar = 3 Monate, 1. bis 24. = 24 Tage.
Jetzt «höre» ich aber auch – und tippe woanders weiter. Viel Vergnügen beim «Browsen», und komm fleissig zurück, es gibt immer wieder Neues!
Ruedi
- Elsbeth Göldlin war die Frau des Pfarrers, zu ihr s. Matthias Zimmermann, Jb. SGFF 2022, S. 229 (Mitte). – Hertli = Hartmann. Es handelt sich um Hartmann Caspar von Putz, Ammann des Castelser Gerichts. Seine Frau hiess Dorothe Fischerin. Vor allem sie war auf Davos oft Taufzeugin, zum letztenmal 1580-12-22. Das Paar liess sogar ein Kind hier taufen, Urschla 1560-08-27, die später zusammen mit ihrem Mann Fridli Schmid auf Davos eine grosse Rolle spielte, doch davon ein andermal!
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